gestern vor der Kursstunde besprachen wir den Gedanken

"was Du wertschätzt wird Dich verletzen".

Schnell sahen wir auch die Verbindung zu dem was wir vor der letzten Kursstunde als Thema hatten: "das und (oder) das ist mir gleichgültig".

So sind Gleichgültigkeit und Wertschätzung Gegensätze. Sowohl in unserem alten Denken als auch im Neuen. Wenn ich Etwas oder Jemanden Wertschätzung gebe sind mir die Dinge nicht mehr Gleichgültig, dann gelten sie mir nicht mehr gleich, sondern ich hebe etwas oder jemanden hervor, gebe ihm für mich mehr Wichtigkeit als Anderem.

Denn wenn ich alles Wertschätzen würde / könnte, dann wäre mir wieder alles Gleichgültig.

Da das Wort Gleichgültigkeit in unserem üblichen Sprechen eher eine negative Bedeutung hat ("dem ist ja alles gleichgültig" ist ja eher eine Herabsetzung) könnten wir es auch ersetzen mit:

im Frieden mit Allem sein.

Wenn ich mit Allem im Frieden bin, dann bin ich nicht getrennt davon. Getrennt sein bedeutet Leiden, Angst, Angriff und Verteidigung. Einssein - also nicht-Getrenntsein - ist Frieden. Das gilt im Innen wie auch im scheinbaren Außen. 

Jede Verbindung (nur) mit Einzelnen oder Einzelnem bedeutet Getrenntsein von dem Anderen. Wertschätzung verbindet mit mit dem Wertschätzten und trennt mich vom Anderen, da sie mir nicht mehr gleichgültig sind.  

Gleiches gilt für unsere übliche Unterscheidung in gefällt mir/gefällt mir nicht, mag ich/mag ich nicht und und.

Das viel-benutzte Wort Achtsamkeit  steht im Gegensatz zu "gefällt mir, mag ich, mag ich nicht" denn in der Achtsamkeit gibt es kein Vergleichen. In der Achtsamkeit gibt es weder Bewerten noch Wertschätzen oder auch geringschätzen.

Wenn ich zum Beispiel ein Brot esse, wäre Achtsamkeit dass meine Wahrnehmung des ersten Bissens sich nicht unterscheidet von meiner Achtsamkeit beim 5. oder 10. Bissens.

Ich kann entweder Achtsam den Bissen essen , meine Aufmerksamkeit diesem Bissen geben oder ich vergleiche spätestens beim 4. oder 5. Bissen mit dem Brot von Gestern oder von vor einem Jahr. Und merke gar nicht dass ich das Brot inzwischen ganz nebenbei aufesse. Bin ich dann fertig mit dem Vergleichen und wende meine Aufmerksamkeit wieder dem Brot zu stelle ich verwundert fest dass es weg ist. WER hat mein Brot gegessen fragen wir dann manchmal Menschen die mit uns am Tisch sitzen, weil wir nicht da waren als es in unserem Körper gewandert ist.

Erst wenn wir den 5. oder 19. Bissen nicht mehr wertschätzen als den ersten oder 2. Bissen, uns also alle Bissen gleichgültig sind, uns gleich gelten, werden wir mit dem Brot in frieden sein können und unser Brot achtsam essen.