gestern fand ich in einem newsletter, den ich immer wieder erhalte, die folgende geschichte.

aus meiner sicht zeigt sie sehr gut auf wie das entsteht, von dem wir glauben,

dass es so ist und nicht anders, wofür wir sogar kriege führen.


>> eine mir zugefallene Geschichte >>

In München gibt es den englischen Garten, der sich mit seinen über 14 km Länge von der (fast) Stadtmitte bis weit in den Norden der Stadt ausbreitet. In ihm gibt es einen künstlich angelegten See – den Kleinhesseloher See. Er ist an keiner Stelle tiefer als 60 cm. Neben Biergärten und anderen Einrichtungen gibt es dort auch einen Bootsverleih. Man kann sich ein Ruderboot mieten und auf dem See herumrudern.

Ein Freund arbeitete in den ‘70-Jahren in diesem Bootsverleih. Er berichtete damals, dass eine etwas rundliche Amerikanerin sich ein Ruderboot auslieh und dann mitten auf dem See kenterte. Sie schien es mit dem Schwimmen nicht so gehabt zu haben und schrie panisch um Hilfe! Man rief ihr zu, sie solle sich hinstellen, das Wasser wäre nicht tiefer als 60 cm. Doch sie hörte nicht und schrie verzweifelt weiter, so dass zwei vom Verleih hinüber rudern und sie „retten“ mussten.

Lassen wir hier mal das Problem „in Panik sein“ beiseite und betrachten nur die Situation. Was wäre passiert, hätte die gescheiterte Ruderin anders reagieren können? Was, wenn sie zuhören hätte können? Was, wenn sie dann auch noch das Vertrauen in die Worte gehabt hätte?

Die Antwort ist klar: Sie hätte ihre Laufstängel nach unten bewegt und wäre gestanden. Keine Panik, kein Geschrei, keine Angst – nur leicht durchfeuchtet wär‘ sie trotzdem gewesen.

Das Wasser war vorher nur 60 cm tief, das Wasser war danach 60 cm tief. Das Wasser war ohne Panik 60 cm tief, doch in Panik wurde es auch nicht tiefer.

 

„Wenn du verstehst, sind die Dinge wie sie sind.
Wenn du nicht verstehst, sind die Dinge (auch) wie sie sind.“
[Gensho, Zen Meister]

 

Die Meister sagen, dass die Welt eine Illusion, ein Traum ist. Und vielleicht wird das vom Suchenden auch geglaubt. Doch dann geht er hinaus und wartet darauf, dass auch er es sehen kann. Dass ihn die „Erleuchtung“ heimsuchst und das Bild der Welt, das er wahrnimmt, sich gründlich ändert.

Doch die Welt sah so aus, wie sie aussieht, bevor man das hörte und sie wird genauso aussehen, nachdem man es gehört und geglaubt hat. Sie ist immer „60 cm tief“.

Wer darauf wartet, dass er Neues „sieht“, kann lange warten. Nichts wird geschehen. Man wird „leicht durchfeuchtet“ bleiben. Nur „Boden unter den Füßen“ wird man wiedergewinnen. Was heißt: Die Welt und das Leben werden egal der Umstände zu einem eher vergnüglichen Kasperletheater. Man nimmt sie nicht mehr wirklich ernst.

60 cm sind immer 60 cm. So oder so.